Station 6

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Ausgedinghaus aus Aichelau

»Alt und Allein«

  • Erbaut: 1844
  • Zeitschnitt: um 1940
  • Abbau: 2003
  • Wiederaufbau: 2003/2004

Das Ausgedinghäuschen wurde bei Übergabe des Hofes von einer Generation an die andere als „Alterswohnsitz“ genutzt. Neben dem lebenslangen Wohnrecht verband sich mit dem Altenteil (“Ausgeding”) meist auch die Versorgung mit Lebensmitteln und Kleidung. Das Ausgeding, das am Originalstandort direkt hinter dem Haupthaus stand, verfügt nur über ein Stube und eine winzige Küche im Erdgeschoss. Unter dem zugigen Dach lag noch eine Kammer.

Die Mutter der letzten Besitzerin des Anwesens, eine Hebamme, wohnte bis zu ihrem Tod 1944 in dem Häuschen. Nach Kriegsende waren zeitweise bis zu acht Heimatvertriebene darin untergebracht. Zuletzt lebte ein betagtes Ehepaar aus dem ehemaligen Ostpreußen in dem Ausgeding.

Baugeschichte und Baubefunde

Erbaut wurde das Ausgedinghaus aus Aichelau im Jahre 1844. Es handelt sich dabei um einen außergewöhnlich kleinen Massivbau mit Wänden aus Kalk-Bruchsteinen und Lesesteinen der Umgebung. Um 1900 wurde die Außenfassade mit einer neuen Putzschicht versehen. Mit nur 16 m² Wohnfläche im Erdgeschoss ist es das Gebäude mit der kleinsten Wohnfläche im Freilichtmuseum. Unter der Dachschräge befindet sich der Schlafraum mit etwa 8,5 m² nutzbarer Fläche, der über eine steile Treppe zu erreichen ist. Im Jahr 1919 wurde das Ausgedinghaus an die Elektrizität angeschlossen. Wasseranschluss gab es keinen, das Wasser musste vom gegenüberliegenden Haupthaus geholt werden. Die kleine Küche wurde als Badezimmer genutzt.

Ausführliche Informationen zur Baugeschichte des Ausgedinghauses aus Aichelau finden sich unter dem folgenden Link

Hausbewohner und Hausbewohnerinnen

Das Ausgedinghaus wurde 1844 als Alterssitz für die Bewohner des Haupthauses errichtet. In den ersten 100 Jahren seines Bestehens diente das Gebäude als Ausgedinghaus, danach nicht mehr. Ab 1945 war es unbewohnt und wurde deshalb nach dem Zweiten Weltkrieg als Unterkunft für Flüchtlingsfamilien genutzt. Bevor es im Jahre 2003 für das Freilichtmuseum abgebaut wurde, stand es seit 1962, und damit über 40 Jahre, leer.

Zeitschnitt und Zeitgeschehen

Das Ausgedinghaus aus Aichelau wird im Zeitschnitt 1940er Jahre gezeigt. Zu erkennen ist dies beispielsweise durch den auf dem Wandregal angebrachten Volksempfänger. Dieser einfache Radioapparat wurde von den Nationalsozialisten eingeführt und gefördert, da er sich für deren nationalsozialistische Propaganda besonders gut eignete.