Sonderausstellung

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Jetzt steht unser Haus im Museum

INFO

Der renommierte Fotograf Andreas Keller fertigte einfühlsame Porträts von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen an, die zu ausgewählten Museumsgebäuden eine ganz persönliche Beziehung haben.

LAUFZEIT

3. April 2022 bis 5. November 2023

WO

Haus 01, Haus aus Öschelbronn, Empfangsraum

Die Gebäude, die jetzt im Freilichtmuseum stehen, waren einst voller Leben. Noch bis in die 1980er wohnten und wirtschafteten Menschen in ihnen, wuchsen darin auf oder hatten sie geerbt. Bis heute sind die Gebäude eng mit persönlichen Geschichten und Erinnerungen all dieser Menschen verknüpft. Wie fühlt es sich an, wenn das für das eigene Leben wichtige Haus im Museum steht, die Familiengeschichte öffentlich präsentiert wird?
Der Fotograf Andreas Keller portraitierte acht ausgewählte Zeitzeuginnen und Zeitzeugen in „ihrem“ Gebäude im Freilichtmuseum Beuren. Diese Fotografien stehen im Mittelpunkt der Ausstellung. Sie werden von persönlichen Erinnerungen bereichert, die der Journalist Heiner Keller im Gespräch eingefangen hat. Zentral ist dabei die Frage, was es für sie bedeutet, dass ihr Haus zum musealen Objekt wurde.

© Foto: Andreas Keller
© Foto: Andreas Keller

Sie erhalten einen Einblick in das Leben rund um das Wohn- und Wirtschaftsgebäude aus Tamm (Kreis Ludwigsburg), das Rathaus aus Häslach (Kreis Reutlingen), das Bauernschloss aus Öschelbronn (Kreis Böblingen), den Gartensaal aus Geislingen an der Steige (Kreis Göppingen), den Bienenwagen aus Ohmden (Kreis Esslingen) und den Kolonialwarenladen Schach aus Nürtingen (Kreis Esslingen).

Unsere Forschungsarbeit als Basis für die Ausstellung

Die Grundlage der wissenschaftlichen Arbeit im Freilichtmuseum Beuren ist die umfassende Dokumentation der Haus- und Bewohnergeschichten. Ergänzend zu diesen Archivmaterialien ist es dem Museum wichtig, die Stimmen der noch lebenden Zeitzeuginnen und Zeitzeugen festzuhalten. So entstand im Jahr 2020 die Publikation „Jetzt steht unser Haus im Freilichtmuseum Beuren“, welche die Basis dieser Ausstellung bildet.

Die Zeitzeuginnen und Zeitzeugen

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In dem Band kommt Richard Wyrich zur Wort, Jahrgang 1957, der in dem Wohn- und Wirtschaftsgebäude aus Tamm aufwuchs und noch jede Menge aus dem bäuerlichen Leben von drei Generationen unter einem Dach oder dem Stucksaal, in dem heute die Museumsgaststätte untergebracht ist, weiß.
Lore Hanne, Jahrgang 1954, kann aus eigenen Erinnerungen und vielfachen Erzählungen rund um den Bienenwagen ihres Vaters berichten. Die Imkerei spielte im Leben der Familie Hanne als zusätzliche Einnahmequelle eine bedeutende Rolle.
Gerhard Einsele, Jahrgang 1946, ging im Kolonialwarenladen seiner Tante Helene Schach, der mit Originaleinrichtung im Freilichtmuseum wiederaufgebaut wurde, täglich ein und aus, weiß von Brausestäbchen und deren arbeitsreichen Leben zu berichten. Man wohnte mit Oma und Opa über dem Laden, die Tante unterm Dach.
Otto Bauer, Jahrgang 1938, ehemaliger Bürgermeister von Häslach, später von Walddorfhäslach, attestierte dem Rathaus Häslach schon bei seinem Einzug als Schultes im Jahr 1963 „nur noch musealen Charakter“. Bei Geschichten wie der von der Beschaffung einer knallroten Schreibmaschine kann man heute schmunzeln.
Marianne Erdrich, Jahrgang 1944, Sekretärin von Bürgermeister Otto Bauer, brauchte selbst im Hochsommer warme Sachen im immer kalten Rathaus. Vieles wurde noch von Hand geschrieben, Ausgewähltes vom Bürgermeister persönlich diktiert, Bürger noch persönlich beraten.
Gerd und Heinz Bühler, Jahrgang 1948 und 1950, sind Vettern und beide im stattlichen Bauernhaus aus Öschelbronn aufgewachsen. Das Leben war geprägt von der Mitarbeit in der Landwirtschaft mit Hopfenanbau und Nutztierhaltung, für die man auch schon mal schulfrei bekam.
Inge Hafner, Jahrgang 1952, kann aus Kindheit und Jugend in und um den Gartensaal berichten, der einst als Festraum der von ihren Eltern betriebenen Gastwirtschaft Wilhelmshöhe genutzt wurde. Gesellschaften und Vereine genossen hier die gute Küche und den Platz für Festivitäten.