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Scheunencafé – Wirtschaftswunder! Wirtschaftsmärchen?
SO 23.08.
14:00 Uhr
Wie immer sind persönliche Erinnerungsstücke wie Fotos aus dem Familienalbum und Andenken wie der Wackeldackel, der gehäkelte Überzug für die Toilettenpapierrolle oder die gehäkelte Decke für den ersten VW-Käfer, gern gesehen im Scheunencafé, wenn am Sonntag bei Kaffee, Tee und Kuchen mit Christel Köhle-Hezinger wieder über wichtige Aspekte und Entwicklungen unseres Alltags diskutiert wird.
Das „Wirtschaftswunder“ gehört zu den großen Erzählungen der Bundesrepublik Deutschland. Wiederaufbau, steigender Wohlstand und schließlich das eigene Auto stehen bis heute für den Aufbruch der späten 1950er und 1960er Jahre. Kaum ein Gegenstand verkörperte den gesellschaftlichen Wandel so sichtbar und emotional wie das eigene Familienauto. Der erste Käfer, die erste Urlaubsfahrt über die Alpen oder der sonntägliche Familienausflug stehen in vielen Biografien für neu gewonnene Freiheit, Wohlstand und gesellschaftliche Teilhabe.
Gerade deshalb lohnt es sich, wirtschaftliche Entwicklung und persönliche Erfahrungen nebeneinanderzustellen und danach zu fragen, wie aus Erfahrungen Erinnerungen und aus Erinnerungen gesellschaftliche Erzählungen werden. War das Auto tatsächlich ein Motor des Wirtschaftswunders – oder vor allem sein sichtbarstes Symbol? Und war das „deutsche Wirtschaftswunder“ am Ende vielleicht weniger ein Wunder als Teil eines europäischen wirtschaftlichen Aufbruchs? Darüber möchten wir im Scheunencafé anhand persönlicher Erinnerungen, historischer Befunde und neuer Perspektiven miteinander ins Gespräch kommen.
Und wie sieht es heute aus? Erneut erleben wir einen tiefgreifenden Wandel der Mobilität. Die jahrzehntelange Ausrichtung auf den Individualverkehr wird vor dem Hintergrund der ökologischen Krise neu diskutiert. Das Auto wird zunehmend digital – und für manche damit auch unpersönlicher. Seine Bedeutung als Statussymbol verändert sich, während zugleich die Frage nach der Bezahlbarkeit individueller Mobilität wieder an Gewicht gewinnt. So führt der Blick auf das Familienauto der Wirtschaftswunderjahre unmittelbar zu einer Frage der Gegenwart. Welche Mobilität wollen und können wir uns künftig leisten?